Vor einem Jahr wurde beim Besuch der französischen Freunde der Gemeinde Braud-et-St.Louis der Plan gefasst, am Medoc-Marathon teilzunehmen. Der Medoc-Marathon fand 2009 bereits zum 25.Mal statt und hebt sich von anderen 42 km Läufen dadurch ab, dass unterwegs zahlreiche Weinproben in den weltberühmten Weingütern stattfinden.
Die Idee wurde anfangs noch belächelt, aber schnell fanden sich Mitstreiter für die sportliche Herausforderung. Im Januar meldeten sich neben Dierk und Alexandra Menard noch Jan Brinkmann, Dr. Gerd-Rüdiger Wasmuth, Evelyne und Claus-Peter Hiesel an. Ergänzt wurde die "equipe sportif" durch Dirk Arff, der sich als Betreuer zur Verfügung gestellt hatte. Für die Menards und Jan Brinkmann sollte es die erste Marathonteilnahme sein, Dr. Gerd-Rüdiger Wasmuth wollte seine erfolgreiche Langstreckenkarriere mit diesem Lauf abschließen. Claus-Peter und Evelyn Hiesel waren als erfahrene Marathoni am Start, um danach in einem deutschen Fachmagazin ihre Erfahrungen zu veröffentlichen. Am 09. September 2009 brach das Zülpicher Team nach Frankreich auf, um den Trainingserfolg auf die Bewährungsprobe zu stellen. Mit der Autofähre Royan- Le Verdon erreichte das Team die Medoc-Halbinsel und bezog das Quartier bei Annie Bezin in Lesparre, die ihr Haus für die Sportler zu Verfügung gestellt hatte. Betreuer Dirk Arff hatte wenig zu tun, da Annie und ihre Nachbarin Jacqueline die komplette Verpflegung bereits organisiert hatten.
Am Freitagmorgen wurden in Puillac die Startnummern abgeholt und spätestens jetzt wurde allen klar, dass dieser Marathon etwas Besonderes ist. Alle Helfer waren dem diesjährigen Motto "Zirkus" folgend als Clowns verkleidet und der Start- und Zielbereich wurde für ein Volksfest größeren Ausmaßes vorbereitet.
Während Alexandra Menard noch Schwierigkeiten hatte, ihre Nummer auszusprechen "quatremilleseptcentquatrevingtdixneuf" tauschten die anderen sich bereits mit weiteren Teilnehmern aus und machten sich auf die Suche nach einem passenden Kostüm für den nächsten Tag. Annie hatte für den Tag noch zwei Weinproben bei Chateau Courneau und Chateau Greysac organisiert, um die Zülpicher auch auf diese Herausforderung vorzubereiten.
Abends teilte sich die Gruppe. Während Evelyne und Claus-Peter als geladene Pressegäste in einem Chateau ein opulentes Fünf-Gänge-Menü mit Liveband und abschließendem Feuerwerk genossen, begnügten sich die anderen Läufer mit der obligatorischen Pastaportion im Gemeindesaal, wo eine Alleinunterhalterin für beste Stimmung sorgte und spätestens nach dem Lied "Les Lacs du Connemara" von Michel Sardou wurde ausgelassen und in Kostümen auf den Tischen die Nacht durchgetanzt.
Samstagmorgen ging es dann um 7:30 Uhr los. Die letzten Energiespeicher wurden noch am Frühstückstisch gefüllt, der Sack mit den Wechselklamotten zusammengelegt und dann machte sich zumindest bei den Debütanten langsam die Nervosität breit. Kostümtechnisch beschränkten sich alle auf eine rote Clownsnase bis auf Jan Brinkmann, der im Team den ersten Platz belegte mit seinem extra mitgebrachten Obelixkostüm inklusive Maskottchen Idefix.
Im Startbereich sammelten sich bis zum Start um 9:30 Uhr die 8.750 Teilnehmer mit den unterschiedlichsten Kostümen. Viele französische Gruppen hatten sich zum Teil in ihren landestypischen Trachten verkleidet oder kamen in ihren Uniformen. Viele Vereine hatten mottogetreue Begleitwagen, die mitgezogen oder mitgeschoben wurden. Das Teilnehmerfeld war international besetzt und das erhöhte noch zusätzlich die Kostümvarianten. Jan Brinkmann hatte somit mit dem Obelixkostüm auf das richtige Pferd gesetzt und fand sogar noch seinen Weggefährten Asterix im bunten Teilnehmerfeld.
Über dem Teilnehmerfeld wurde mit einer Trommlergruppe und einer Trapezkünstlerin, an einem Spezialkran hoch hängend, noch mal die Stimmung angeheizt, bevor der erlösende Startschuss fiel. Während Evelyne und Claus-Peter sich ins vordere sportliche Drittel absetzten, blieben die Debütanten bei Gerd und ließen sich auf sein Tempo ein, um bis zum Ende die nötigen Kräfte zu haben.
Die Laufstrecke führte zu namhaften Chateaux wie Latour, Lafite-Rothschild, Margeaux , die Premiers Crus, um nur einige wenige der über 60 im Medoc zu nennen und durch deren Weinberge bei schönstem Sonnenschein und gemäßigten Temperaturen. Das kostümierte Läuferfeld zog sich durch die Weinberge, wie der Rosenmontagszug durch Köln.
Regelmäßig wurden Weinproben angeboten neben der üblichen Sportlerversorgung mit Bananen und Orangen und Wasser. Hier und da wurden von den ortsansässigen Teilnehmern kritisiert, es handele sich um den Marathon Volvic wegen des vielen Wassers. In den Weingütern wurden die Degustationen mit unterschiedlicher Livemusik von Klassik bis Reggae untermalt, so dass die ersten 30 km aufgrund der Abwechslung wie im Flug vergingen. Dann kam jedoch der von allen gefürchtete und erwartete Leistungseinbruch. Aber die Aussicht auf die zum Schluss gereichten Spezialitäten wie Austern, Jambon Bayonne, Entrecote u.v.m und der Teamgeist zwischen den Läufern und den zahlreichen Zuschauern haben die müden Füße und Knochen auch noch über die letzten zwölf Kilometer getragen. Evelyne und Claus-Peter erreichten ihr selbst gestecktes Ziel von unter vier Stunden und Team Obelix schaffte es immerhin dank Hinkelstein in der Hosentasche, technischer Beratung durch Dr. Gerard und ausdrücklich zugelassenen Hilfsmitteln in Form von vorzüglichem Rotwein rechtzeitig nach 6 Stunden neunundzwanzig Minuten ins Ziel zu kommen, bevor nach sechs Stunden dreißig Minuten der Besenwagen die Strecke dichtmachte.
 Die Erholungsphase wurde am nächsten Tag nach Braud-et-St-Louis der Partnergemeinde Füssenichs verlegt. Die Sportler kamen dank Vermittlung der Vizebürgermeisterin Annie Bernaud im neu errichteten "Gite" der Kommune unter. Das Ferienhaus wurde aufwendig aus einem ehemaligen Bauernhof hergerichtet und lässt mit vier Schlafzimmern, zwei Bädern und einem großem Wohn-/Essbereich mit Einbauküche keine Wünsche offen. Es besticht durch die geschmackvolle Einrichtung, für die Annie Bernaud verantwortlich war.
Das Ferienhaus bietet Platz für bis zu 10 Personen und kann wöchentlich ab 480 Euro von der Gemeinde gemietet werden (Bei Interesse melden Sie sich bitte unter info @ fuessenich-geich.de, wir vermitteln hier gerne).

Zum Abschluss am Sonntagabend trafen sich im Gemeindesaal Braud-et-St-Louis die "equipe sportif" und zahlreiche französische Freunde bei Kölsch und Leberkäsebrötchen, um die neusten Nachrichten aus den Familien auszutauschen und über den Marathon zu sprechen. Von dem, von der Fördergemeinschaft Füssenich-Geich e.V. (www.fuessenich-geich.de) gestifteten Bier blieb nichts übrig und auch der Leberkäse fand regen Anklang.
Der Abschied fiel wie jedes Mal schwer und die "Amis Marathoni" waren sich einig, dass dieser Lauf nicht zu wiederholen ist, zumal Dr. Gerad seine Laufschuhe unwiederbringlich an den Nagel gehangen hat und Dierk und Alexandra sich auf der Ziellinie geschworen haben , sich nicht noch mal so zu quälen, wenn schon ... dann aber anders ... Dies wurde den französischen Freunden denn auch zugesichert. Anni Bezin gilt noch mal unser besonderer Dank für die hervorragende Kost und Logis im Medoc, die entscheidend zum Erfolg am 12.09.2009 beigetragen hat.
Eine Nachahmung dieser Reise wird ausdrücklich von allen Teilnehmern empfohlen, allerdings sollte man laut Dr. Gerad auch auf die Nebenwirkungen achten, z. B. drastischer Gewichtsverlust bereits während der Trainingsphase, verbunden mit erhöhter Belastung der Leber bei Inanspruchnahme aller Degustationen ... |